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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Antibiotikaminimierungskonzept: Weniger Antibiotika dank gesunder Tiere

Umsetzung der 16. AMG-Novelle

Häufig gestellte Fragen Verbraucher

16. AMG Novelle

Was ist das Ziel der Änderung des Arzneimittelgesetzes?

Die Reduktion der Notwendigkeit des Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung ist der Schwerpunkt der aktuellen Änderung des Arzneimittelgesetzes (16. AMG-Novelle). Durch die Verbesserung der Tiergesundheit soll erreicht werden, dass weniger Antibiotika eingesetzt werden müssen. Gleichzeitig sinkt damit die Gefahr der Ausbreitung resistenter Bakterien (Bakterien, die gegen die Wirkung von bestimmten Antibiotika unempfindlich geworden sind).

Wen betrifft die 16. Neufassung des Arzneimittelgesetzes?

Durch die 16. AMG Novelle sind Tierhalter von Mastferkeln, Mastschweinen, Mastkälbern, Mastrindern, Masthähnchen und Mastputen sowie Tierärzte, die solche Tierhaltungen betreuen und Veterinärbehörden betroffen.

Die Halter von Mastrindern, -schweinen, -hähnchen und -puten melden den Einsatz von Antibiotika bei ihren Tieren an eine Datenbank. Aus diesen Meldungen wird für jeden Betrieb und jede Tierart die sog. Therapiehäufigkeit berechnet. Durch die Ermittlung der Therapiehäufigkeit können erstmalig die Betriebe bundesweit hinsichtlich der Häufigkeit ihres Antibiotikaeinsatzes untereinander verglichen werden. Betriebe, in denen die Tiere überdurchschnittlich häufig behandelt wurden, ergreifen Maßnahmen, um die Gesundheit ihrer Tiere zu verbessern und dadurch den Antibiotikaverbrauch zu senken. Schwerpunkte liegen dabei auf der Vorbeugung von Krankheiten und der Gesunderhaltung der Tiere, denn gesunde Tiere benötigen keine Antibiotika. Bei der Festlegung der Maßnahmen sind die Betriebe verpflichtet, tierärztlichen Rat einzuholen und eventuelle Anordnungen der Veterinärbehörde zu berücksichtigen.

Was ist die betriebliche Therapiehäufigkeit?

Die Therapiehäufigkeit ist die Anzahl der Tage im Halbjahr, an denen ein Tier im Betrieb im Durchschnitt mit einem Wirkstoff behandelt wurde. Sie wird berechnet, um den Antibiotikaeinsatz von Betrieben miteinander vergleichen zu können.

Was bedeuten die bundesweiten Kennzahlen und von wem werden sie ermittelt?

  • Kennzahl 1 ist der Median: Wert, unter dem 50% der Betriebe liegen
  • Kennzahl 2 ist das dritte Quartil: Wert, unter dem 75% der Betriebe liegen
  • Sie werden vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ermittelt.

Antibiotika-resistente Erreger

Was sind Antibiotika-resistente Erreger?

Antibiotika-resistente Erreger sind Bakterien, die gegen die Wirkung von bestimmten Antibiotika unempfindlich sind. Dies bedeutet, dass diese Antibiotika nicht gegen eine Infektion mit solchen Bakterien wirken und andere Antibiotika eingesetzt werden müssen. Bakterielle Infektionen, die üblicherweise eher selten Komplikationen verursachen, können bei Beteiligung von resistenten Bakterien einen schweren Verlauf nehmen, wenn geeignete Antibiotika zur Bekämpfung der Erreger nicht zur Verfügung stehen.

Wie können resistente Erreger auf den Menschen übertragen werden?

Resistente Krankheitserreger finden sich überall in der Umwelt und können von dort auf den Menschen übertragen werden. Resistente Krankheitserreger können auch durch direkten Kontakt mit Tieren oder indirekt über tierische oder pflanzliche Lebensmittel auf Menschen übertragen werden.

Welche Gefahr stellen Antibiotika-resistente Erreger für den Meschen dar?

Anitibiotika-resistente Erreger können sowohl vom Mensch auf das Tier als auch vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Eine Übertragung kann dabei durch direkten Kontakt zwischen beiden erfolgen. Eine Übertragung von Antibiotika-resistenten Erregern ist aber nicht automatisch mit einer Erkrankung verbunden. Ebenso wie Tiere sind auch Menschen häufig ausschließlich Träger resistenter Erreger und erkranken nicht. Zu einer Erkrankung kann es bei einer Beeinträchtigung des Immunsystems, z. B. nach einer schweren Operation mit anschließendem Krankenhausaufenthalt kommen.

Welche Tierarten sind von Antibiotika-resistenten Erregern betroffen?

Antibiotika-resistente Erreger gibt es überall. Sie können bei allen Tierarten (auch Hunden und Katzen) und auch in der Umwelt vorkommen.

Gibt es auch in der ökologischen Tierhaltung Antibiotika-resistente Erreger?

Auch in der ökologischen Tierhaltung (Biobetriebe) können Antibiotika-resistente Erreger nachgewiesen werden.

Welche Lebensmittel sind von Antibiotika-resistenten Erregern betroffen?

Da rohe Lebensmittel grundsätzlich nicht steril sind, können sich Bakterien, sowohl resistente als auch nicht resistente, auf und in allen Lebensmitteln befinden. Durch die Einhaltung von hohen Hygienestandards wird bei der Herstellung von Lebensmitteln sehr großer Wert darauf gelegt, dass so wenige Bakterien wie möglich in die Lebensmittelkette gelangen.

Kann ich als Verbraucher feststellen, ob Fleisch mit resistenten Keimen belastet ist?

Nein, die Keimbelastung von Lebensmitteln kann nur durch Laboruntersuchungen festgestellt werden.

Muss ich im Umgang mit rohen Lebensmitteln bestimmte Vorsichtsmaßnahmen einhalten?

Bei der Küchenarbeit können sowohl resistente als auch nicht resistente Bakterien über Küchenutensilien von dem einen auf das andere Lebensmittel übertragen werden. Eine gründliche Reinigung der Geräte und Küchenablagen schützt vor der Verbreitung von Keimen. Fleisch soll immer gut erhitzt und gründlich durchgegart verzehrt werden. Bei der Lagerung, beispielsweise im Kühlschrank, sollte darauf geachtet werden, dass rohe Lebensmittel nicht mit bereits zubereiteten, verzehrsfertigen Lebensmitteln in Berührung kommen.

Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung:

Bekommen die Nutztiere die gleichen Antibiotika wie Menschen?

Der Großteil der antibiotisch wirksamen Substanzen kann sowohl bei Tieren als auch bei Menschen eingesetzt werden. Einige der antibiotisch wirksamen Substanzen kommen bei Tieren nicht zum Einsatz.